Musical „Schach 2.0“ begeisterte im Forum des Gymnasiums Stolzenau

Schon Shakespeares Romeo und Julia haben versucht gegen die Widerstände der lang etablierten Feindschaft ihrer Häuser ihren eigenen Weg zu gehen – und sind gescheitert. Einen glücklicheren Ausgang nimmt das Schicksal der Helden des Musicals „Schach 2.0“ aus der Feder von Andreas Schmittberger, das unter großem Beifall am Sonntag, den 18.02. im Forum des Gymnasiums Stolzenau von den Schülerinnen und Schülern der Musicalklassen 5b und 6b des Gymnasiums Stolzenau sowie der S1 der Helen-Keller-Schule erfolgreich aufgeführt wurde. Ihr Weg dahin ist aber nicht minder beschwerlich als der Romeos und Julias. Im Land der Weißen ist die Stimmung angespannt. Den weißen Bauern (engagiert: Eske Sophia Meyer, Nadja Boz, Benito Meyer, Andreas Sprincean, Ramy El-Sohbi) reicht es und sie protestieren offen gegen die unterdrückenden Zustände in ihrem Land.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als dann auch noch durch ein Missverständnis an der Grenze zum Land der Schwarzen ein Streit mit den schwarzen Bauern (perfektes Gegenstück: Mika Fischer, Emily Bunk, Rouven Sander, Ann-Kathrin Reichhold, Liam Kneißl) eskaliert, scheint ein Krieg der beiden Reiche unabwendbar. Der weiße König, dessen Unfähigkeit Jonathan Schwiering mit viel Witz herausarbeitete, ist mit der Situation jedenfalls überfordert. Auch sein Hofstaat aus Läufern (sportlich: Mathilde Lampe, Lisabeth Witte), Pferden (tierisch aufspielend: Esma Arik, Sema Arik) und Dienern (aufmerksam: Nicole Scheck, Dennis Bagari, Leona Just) ist keine Hilfe dabei, eine Lösung für die Probleme zu finden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nur eine hat einen Plan der Situation Herr zu werden: Die weiße Königin, mit überragender Präsenz verkörpert von Francys-Joy Oesterhaus. Die Ehefrau des weißen Königs, die sich als eigentliche Herrscherin über das bedrohte Reich zeigt, meint, mit einer arrangierten Hochzeit zwischen ihrer Tochter und dem Prinzen der Schwarzen könne der Frieden erkauft werden. Dabei hat sie aber die Rechnung ohne ihre bis dato lethargische und konsumsüchtige Tochter Luna gemacht, die von Laura Mues, anfangs in einem gewaltigen Fatsuit spielend, überzeugend porträtiert wurde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die verwöhnte Prinzessin, die doch eigentlich von der großen Liebe träumt, wagt mit ihrer Amme (fürsorglich: Thea Graue) die Flucht. Was sie nicht weiß: Auch der für sie ausersehene schwarze Prinz Zero, dessen rebellische Seite Tom Artem Hodann gut herausarbeitete, will sich seinem Schicksal nicht fügen und flieht zusammen mit seinem Freund Valerio (liebenswert: Niklas Humke).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es kommt, wie es kommen muss: Die beiden Flüchtigen treffen aufeinander und verlieben sich, ohne zu wissen, wer der jeweils andere ist. Gleichzeitig werden sie von den weißen Türmen (stark aufspielend: Svea Bödeker, Victoria Sieben), die von der weißen Königin ausgesandt wurden, gefasst und in den Kerker geworfen, wo sie der Verurteilung wegen Landesverrats harren müssen. Es scheint, als gebe es keinen Ausweg mehr…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unter der Regie von Elisabeth Fritsch und Willem-Alexander Rode ließen die jungen Darstellerinnen und Darsteller das Publikum atemlos um ihr Schicksal bangen und beeindruckten mit ihren sängerischen und darstellerischen Fähigkeiten. Bei den vielen anspruchsvollen Liedern, die unter der musikalischen Leitung von Mareike Imming und Christiane Sprick einstudiert wurden, wurden sie auch vom hervorragenden Chor (Musicalklasse 5b und S1 der Helen-Keller-Schule) mit kräftigem Gesang unterstützt. Die Schülerinnen und Schüler der Musicalklasse 6b glänzten nicht nur schauspielerisch und sängerisch mit Solopartien auf der Bühne, sondern überzeugten sogar tänzerisch. Die Band, bestehend aus Mathias Goedecke (Piano), Sam Känner (Percussion), Sophia Wilkening und Greta Dohrmann (beide Saxophon), begleitete den Gesang professionell. Die Instrumentalisten trugen mit ihrem musikalischen Können ihren Teil zum Gelingen der Aufführung bei. Währenddessen hatte die Technik-AG des Gymnasiums (Leitung: Christiane Sprick) alle Hände voll zu tun, um mit Licht- und Tontechnik die richtige Atmosphäre zu schaffen und die Sing- und Sprechstimmen zu verstärken.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das anspruchsvolle Stück wirkte letztlich auch durch die hervorragenden Kostüme, die mit viel Bedacht eingesetzte Maske (Elisabeth Fritsch) und die clevere Kulisse sowie die wirkungsvollen Requisiten (Simone Bollhorst, Silke Corus, Madlen Behnke). Nicht zuletzt gebührt dem Förderverein des Gymnasiums Stolzenau wie immer großer Dank, ohne dessen finanzielle Unterstützung sich Projekte dieser Größenordnung nicht realisieren ließen.

Im Mittelpunkt standen aber natürlich die beeindruckenden Leistungen der Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Stolzenau und der Helen-Keller-Schule Stolzenau. Dass eine solche Produktion nicht ein frühes schachmatt erleidet, gelingt nur bei echter Teamarbeit: Dass diese zwischen den Lehrkräften der Helen-Keller-Schule (Simone Bollhorst, Silke Corus und Madlen Behnke) und des Gymnasiums Stolzenau (Mareike Imming, Elisabeth Fritsch, Christiane Sprick und Willem-Alexander Rode) trotz wechselnder Besetzung – oder um im Fachjargon zu bleiben: Schachfiguren – nun schon viele Jahren reibungslos funktioniert, zeigt erneut das fruchtbare Ergebnis. „Schwarz oder weiß. Du musst Dich entscheiden zwischen den beiden.“ Vor schwerwiegende Entscheidungen werden die Protagonisten des Stücks mit dieser sich wiederholenden Songzeile im Stück oft gestellt. Die Helen-Keller-Schule und das Gymnasium Stolzenau haben sich schon längst entschieden die gemeinsame Tradition der jährlichen Musicals weiterzuführen, denn sie sind mit dieser Kooperation, die ein gelungenes Beispiel gelebter Inklusion ist, nicht nur sehr erfolgreich, sondern vor allem äußerst zufrieden. Auch wenn einer solchen Aufführung natürlich immer harte Arbeit aller Beteiligten vorausgeht, rechtfertigt der Ertrag diese doch immer wieder: Alle beteiligten Schülerinnen und Schüler können davon profitieren, hier auf einzigartige Weise gemeinsam lernen zu dürfen und über sich selbst hinauszuwachsen. Schon jetzt darf man gespannt sein auf den nächsten Schachzug, der auch nächstes Jahr mit Sicherheit wieder zu einem Gewinn werden wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Für das kommende Schuljahr können Schülerinnen und Schüler des neuen 5. Jahrgangs am Gymnasium Stolzenau bereits zur Teilnahme an der Musicalklasse angemeldet werden.

   
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